Interview mit Mr. Kohrogi über die Natsukashigruppe in Österreich am 20. August 2004Champaka:
Mr. K., du hast angekündigt, dass wir in dieser Gruppe daran arbeiten werden Natsukashi zu erinnern? Kannst du mehr darüber sagen?
(Natsukashi kommt aus dem japan. und bedeutet so viel wie „nach Hause kommen zu sich selber“ oder sich an sein eigenes „inneres Selbst“ erinnern)
Kohrogi:
Ich möchte euch zeigen, dass Vollkommenheit bereits in uns ist. Das ist der Grund, warum wir auf diesen Planeten geboren wurden. Unsere Konditionierung und Ausbildung, die Gesellschaft und die Religion hat uns das vergessen lassen. Wir haben diese Wahrheit einfach vergessen. Sie (Lehrer, Eltern...) haben uns vergessen lassen, dass wir eigentlich schon vollkommen sind und das von Anbeginn. Wenn wir an unschuldig oder rein sein denken, dann glauben wir das hätte damit zu tun, nichts zu haben und sich keine Gedanken machen zu müssen. Aber eigentlich ist es ein Zustand von absoluter Vollkommenheit. Und wir sind darin geboren. Dann haben uns unsere Eltern und Lehrer anderes gelehrt. Und sie haben vorrangig Angst verwendet, um uns anderes glauben zu lassen. Sie haben uns wirklich das fürchten gelehrt. Zum Beispiel: „Weißt du 3 x 3 = 9? Oder weißt du das nicht! Dann wirst du eine schwierige Zeit in der Zukunft haben. Deswegen muss ich dich lehren .... usw. So haben sie und das fürchten gelehrt!
In dieser Gruppe möchte ich, dass alle Teilnehmer, diese Erfahrung von Vollkommenheit machen. Vielleicht wird das anfangs schwierig sein, weil unsere Wahrnehmungen und unser mentales Verstehen so stark konditioniert sind, dass wir erst diese Vollkommenheit nicht erkennen. Der Zustand der Vollkommenheit ist sehr still oder ruhig. Es sieht fast so aus, als würde nichts passieren. Es mag sogar langweilig auf uns wirken, weil wir durch getönte Gläser betrachten. Ich werde euch auffordern, euren Körper zu verwenden, um die Brücke zu eurem wirklichen Selbst zu finden. Du denkst jetzt, dass Du Dich (Als Ego) auf die Suche machen musst, um dein Selbst zu finden. Aber eigentlich sucht dich dein Selbst bereits und will Dich auch finden. Das ist der Grund, warum wir uns im Alltag oft nicht wohl fühlen. Du bist frustriert und lebst in Agonie. Das ist nur deswegen, weil dein Selbst schon lange nach dir ruft, und gesehen werden will. Wir werden Übungen machen, um unserem Selbst auf der Mitte der Brücke zu begegnen.
Champaka:
Wir unternehmen so vieles um unser Selbst zu finden, wir machen Meditation, Therapiegruppen ... und wir haben die Idee, dass wir unserem Selbst dadurch näher kommen könnten ..?
Kohrogi:
Ich will euch mit meiner Arbeit zeigen, worum es im Leben eigentlich geht. Durch Therapiegruppen wollen wir unsere Vergangenheit heilen. Ich bin nicht gegen diese Arbeit, aber sie wirkt nur wie Medizin. Du fühlst dich nach der Therapie vielleicht erleichtert für eine Weile, aber nach gewisser Zeit brauchst du wieder etwas. Eigentlich wollen wir durch die Therapiegruppen etwas zurückbekommen, was wir glauben verloren zu haben. Und ich sage euch, dass ihr in Wahrheit nie etwas verloren habt. Alles ist hier. Du hast es nur vergessen. Und jetzt musst Du Dich daran erinnern. Wenn ich dich auffordere etwas zu erinnern, dann versuchst du dich an vergangene Ereignisse zu erinnern. Dann wirst du mich fragen, woran soll ich mich erinnern? Aber du musst dich weiter zurück erinnern. Du musst dich an die Wahrheit erinnern, dass all deine Bedingungen bereits erfüllt sind. Deswegen bist du auf diesem Planeten. Du bist frei und vollkommen. Deine Konditionierung hat dich das vergessen lassen. Du glaubst immer, dass etwas fehlt, oder du etwas brauchst, um „Natsukashi“ zu erinnern. Wenn Du dich daran erinnerst, wirst du alles in deinem Leben mit Freude annehmen können. Was auch immer passiert in deinem Leben wird dich nur noch mehr darin bestätigen, dass du bereits frei und vollkommen bist. Jetzt betrachtest du dein Leben immer noch aus einem Blickwinkel von eingeschränktem Bewusstsein, und du glaubst immer, es fehlt etwas.
Champaka:
Du hast mir bereits gesagt, du willst auch über Lebensereignisse und Karma sprechen?
Kohrogi:
Generell ist das Wort „Karma“ für uns negativ belastet. Aber eigentlich heißt Karma nur, dass wir hier leben. Lass mich das mit einem Beispiel erklären: Nimm ein Lagerfeuer. Erst entzündest du ein Streichholz. Rauch wird entstehen. Äste werden entfacht und werden verbrennen. Nach einer Weile wird das Feuer immer kleiner. Letztlich wird es erlöschen. Normalerweise glauben wir, dass dieser Prozess Karma ist. Wir glauben es ist ein fortwährender Prozess. Du entzündest das Streichholz ( erstes Karma), Rauch entsteht (zweites Karma), Äste entzünden sich(drittes Karma), manche brechen (viertes Karma), manche gehen aus (fünftes Karma), das Feuer wird immer kleiner (sechstes Karma) .... Ein Karma ist auf das andere bezogen. In Wirklichkeit kann Karma in jedem Moment sich in Nichts auflösen.
Champaka:
Was meinst du damit, Karma kann sich in nichts auflösen?
Kohrogi:
Normalerweise sehen wir nicht die Pause zwischen zwei Karma. Zum Beispiel, ich entzünde das Feuer und Rauch steigt auf. Wir entzünden das Feuer, es wird geboren(erstes Karma), Rauch steigt auf (zweites Karma). Jetzt wird der Rauch geboren, aber das Zündholz musste sterben. Dann entzünden sich die Äste (drittes karma) ... Jetzt stirbt das Karma des Rauchs und dafür leben die brennenden Äste. Zwischen diesen Ereignissen ist ein „Spalt“, eine Pause. Und das was zwischen diesen Ereignissen liegt, verändert sich nicht. Wenn Du das wirklich verstehen kannst, kannst du auch das Ende des Feuers bereits sehen, sobald du das Streichholz entzündest. Wenn du in diesem „Spalt“ sein kannst, bist du frei von Raum und Zeit.
Solange du Karma als eine Folge von „Ursache und Wirkung“ siehst, kannst du nicht in diesem „Spalt“ sein. Dann brauchst du immer noch diese oder jene Therapie. Es ist als würdest du immer wieder versuchen das Streichholz anzuzünden. In Wahrheit ist Karma nicht „Ursache und Wirkung“. Lass mich über Erleuchtung sprechen. Du bist noch nicht erwacht. Du schlummerst noch. Deswegen hast du eine eingeschränkte Sicht der Dinge. Lass es mich erklären. In einem Film siehst du 24 Bilder in der Sekunde. So viele Bilder sind notwendig um Bewegung zu kreieren. Wir betrachten den Film und sagen, oh welch eine schöne Szene ist das. Aber wir realisieren nicht, dass die Szene aus 24 Einzelbildern besteht und dazwischen Pausen oder „Spalten“ sind. Aber wir sehen die Bewegung. Die ist jedoch eine Illusion. Mit dem Karma ist es das gleiche. Und was Karma anbelangt, so löst es sich beständig in Nichts auf. Aber wir missverstehen, weil wir alles im Kausalzusammenhang sehen, als „Ursache und Wirkung“ und wir glauben an diese kontinuierliche Bewegung. Die Wirklichkeit ist derart, dass wir in jedem Moment unseres Lebens, die Chance haben, unser Leben zu wählen. Lass mich ein anderes Beispiel nennen: Stell dir vor du wärst vor 30 Jahren ein Student auf der Uni gewesen. Nach vielen Schwierigkeiten hast du dich dazu entschlossen, die Uni zu verlassen. Und jetzt erinnerst du dich an diese Zeit, an spezielle Momente vor dreißig Jahren. Mit Sicherheit hast du dir vor 30 Jahren nicht gedacht, du würdest dich 30 Jahre später an eben diesen Moment erinnern.
Champaka:
Wir haben das in der Natsukashigruppe letztes Jahr praktiziert, sich an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erinnern.
Kohrogi:
Ich habe Euch gebeten, Euch an gewisse Momente in eurem Leben zu erinnern, und ihr habt das gemacht. Sicherlich habt ihr in der Vergangenheit nicht gedacht, dass sich euer gegenwärtiges Ich an das vergangene Ich erinnern wird. Dieses gegenwärtige Ich war vom Blickwinkel des VergangenenIch aus betrachtet ja ein zukünftiges Ich. Aber gegenwärtig denkst du an Momente aus deinem vergangenen Ich. Ähnlich kannst du darauf vertrauen, dass dein zukünftiges Ich sich deines gegenwärtigen Ichs erinnern wird. Welche Schwierigkeiten sich auch immer in diesem Moment zeigen. Du magst in Agonie und Frustration sein. Von deinem zukünftigen Ich aus betrachtet hat sich alles bereits in Wohlgefallen aufgelöst. Was ich dir eigentlich sagen möchte ist, dass wir uns entspannen können und jeden Moment gerade so feiern wie er ist. Aber niemand hat uns das gelehrt. Im Gegenteil unsere Eltern und Lehrer haben uns Angst vor der Zukunft und vor dem Leben gemacht. Sie sagen, dass wir unsere Zukunft nicht kennen können. Die Zukunft wäre ungewiss. Und wenn wir unsere Zukunft sichern wollen, müssten wir das jetzt planen. Wir müssen uns jetzt anstrengen, um die Zukunft zu sichern. Wir müssen hart an uns arbeiten, um in eine bessere Schule zu kommen, um unsere Zukunft abzusichern. So wird unsere Grundeinstellung dem Leben gegenüber angstorientiert. Ihr müsst das verändern, Ihr sollt mehr freudeorientiert werden und nicht so sehr angstorientiert. Wenn Du „Natsukashi“ verstehst, kannst du jeden Moment in deinem Leben feiern. Du wirst verstehen, dass du gesegnet bist. Wenn Du Karma richtig verstehst, dann wirst du das begreifen.
Champaka:
Du hast mir gesagt, dass wir frei wählen können, wie wir unsere Lebensereignisse sehen oder verstehen. Hat das etwas zu tun mit dem Verständnis von Karma?
Kohrogi:
Du kannst frei wählen, wie du die Erlebnisse in deinem Leben siehst. Ein bestimmtes Ereignis passiert dir. Dann denkst Du „Scheiße, was passiert nur. Ich will das nicht.“ Oder „Aha, das ist aber interessant“. Es ist nicht bestimmt, wie du diese täglichen Ereignisse wahrnimmst. Das ist deine Freiheit. Aber du hast gewisse Ideen und Vorurteile. Zum Beispiel denkst du, du würdest glücklich sein, wenn du alles tun kannst, was du willst. Oder du denkst, du wärst unglücklich wenn du eben nicht alles machen kannst, was du willst. Aber die Ereignisse, die dir passieren, sind immer mit dir. Stell dir vor, etwas passiert in Brasilien. Plötzlich bebt die Erde und es entsteht ein großer Spalt in der Erde. Aber Champaka und ich sind nicht dort, es passiert nicht wirklich uns. Wir können nur davon hören und es uns vorstellen. Nur die Dinge, die unmittelbar vor mir passieren, sind real für mich. Diese Ereignisse sind immer mit dir und du kannst dich entspannen. Und diese Ereignisse wollen mit dir passieren. Ohne dich können diese Ereignisse gar nicht passieren. Zum Beispiel der Erdspalt in Brasilien. Wenn Champaka und ich dort sind, könnten wir sagen „wow, das ist großartig!“, dann können wir sagen, dass dieses Ereignis mit uns passieren wollte. Wenn du das verstehst, dass alles nur mit dir passiert, kannst du dich entspannen. Alles was passiert in deinem Leben, versuche es so zu verstehen. Das Ereignis das mit mir passieren wollte, passiert jetzt. Und Karma will sich auch in nichts auflösen, gerade jetzt. Aber wenn du weiterhin Vorurteile hast, wirst du dich beschweren „warum muss ich das jetzt erleben“ oder „gib mir eine Pause, !“ …. Dann wird sich dein Leben zu einem Stereotyp entwickeln. Deine Neugier wird hier wichtig sein. Deine Neugier wird dich über die Ereignisse wundern lassen. … „was ist das ..“ oder „ …warum ist das so …“ Der Zustand von Neugier ist ein Zustand von „Natsukashi“. Aber wir sehen unsere Lebensereignisse nicht so, generell sind wir sehr stereotyp.
Champaka:
Wir fokusieren unsere Aufmerksamkeit zu sehr auf die Ereignisse und nicht auf den Spalt dazwischen, verlieren wir so unsere Neugier und die Möglichkeit frei zu wählen, wie wir alles wahrnehmen?
Kohrogi:
Lass es mich so erklären. 11. September ist passiert. Amerika hat sofort reagiert. Die Reaktion war „Fuck you!“ und sie haben einen Krieg begonnen. Da war kein Spalt oder keine Pause. Es wäre großartig gewesen, hätten sie eine Weile gewartet, einige Wochen, oder Monate. Diese Pause wäre wie Meditation gewesen. Aber Amerika ist wie die Terroristen selber. Beide denken nur „Fuck you!“ Du kannst in diesem Spalt bleiben und wieder rauskommen, ganz frei. Das ist tiefe Meditation. Du kannst jederzeit den Platz, wo es brennt, verlassen. Aber du glaubst das nicht. Du denkst, dass es Zeit braucht, bis die Äste verbrennen. Du denkst, dass die Ereignisse in Raum und Zeit passieren und Ursache und Wirkung hätten. Aber eigentlich ist die Ursache selber bereits Wirkung. Ein Streichholz zu entzünden ist Ursache und Wirkung zugleich. Der Rauch ist Ursache und Wirkung zugleich. Meditation ist der Spalt dazwischen. Aber Du vergleichst! …. Meine Meditation zuvor war tiefer als diese … usw. Der Spalt ist der Zustand von Natsukashi. Ich möchte dass ihr alle dorthin zurückkehrt. Wenn ihr das tut, braucht ihr nichts mehr.
Champaka:
Müssen wir irgendetwas Spezielles tun, um diese Wahrheit zu finden, oder reicht es einfach unser Leben zu leben.
Kohrogi:
Es ist ganz einfach, nichts Spezielles. Erinnere dich an das Beispiel mit dem Film. Es sind Pausen zwischen den 24 Bildern. Die Pausen sind dunkel. Nachdem ihr euch zwei Stunden einen Film angesehen habt, werdet ihr nicht sagen, „oh wie schön diese Dunkelheit war“. Wir sind zu sehr gefangen von der Liebesgeschichte. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir die Geschichte nur wegen der Dunkelheit sehen konnten.
Ich sehe dich diesen Sommer!
|